Starke Frauen stehen im Mittelpunkt der 2. Saisonausstellung in der Galerie Gut Gasteil unter dem Jahresmotto
„we just go on and on and on“ und neue große Frauenskulpturen bereichern im Jubiläumsjahr die Kunst in der
Landschaft am Gut Gasteil. Auch der „Thron“ aus gebranntem glasiertem Ton ist nun vollendet. Am 23. Juni lädt
das Bildhauerpaar Charlotte und Johannes Seidl - die Hausherren von Gut Gasteil – zur Eröffnung der aktuellen
Ausstellung und zur Erkundung des Landart-Projekts auf dem 16 Hektar großen Areal in Prigglitz im südlichen
Niederösterreich. Die anmutig-ironischen Bilder von Mela Kaltenegger und Charlotte Seidls erzählerisch dichte
„Kleine Szenen“ in gebrannter glasierter Keramik sind bis 2. September in der Galerie jeweils am Wochenende
und an Feiertagen zu sehen, Kunst in der Landschaft ist jederzeit frei zugänglich – geeignetes Schuhwerk ist
empfehlenswert! Zur Eröffnung spricht die Kunsthistorikerin Edith Almhofer und Klaus Trabitsch und Peter
Rosmanith sorgen für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen.
Charlotte Seidl
Kleine Szenen als Denkanstöße für die eigene Erzählung
Charlotte Seidls Frauen in den kleinen Keramikbildern stehen in verschiedensten Situationen und
Rahmenbedingungen miteinander in Beziehung. Sie tanzen, sprechen, schreien, liegen und posieren - in
Landschaften, Städten, Dörfern und geschlossenen Räumen. Keine festgefügten Geschichten werden da erzählt,
die „kleinen Szenen“ sind vielmehr Denkanstöße für den Betrachter, sein eigenes Geschehnis zum Bild zu finden.
Dazu öffnen sich viele Möglichkeiten, denn die Momentaufnahme zeigt nicht nur Ort und handelnde Personen,
sondern berührt in jedem Fall auch die emotionale Ebene – individuell erfahrbar. Es geht um Befindlichkeiten,
sagt Charlotte Seidl, das ist auch der Grund, warum die Personen ausschließlich Frauen sind – der Mensch aus
weiblicher Sicht schließt freilich den Mann mit ein.
Dem Material des gebrannten, glasierten Tons entsprechend, sind die „kleinen Szenen“ geprägt von gedämpften
Farben – Braun in allen Schattierungen von Beige über Ocker und Siena gebrannt bis Rötlich und Umbra. Und
dann ist da noch dieses Blau – auch das variiert in verschiedener Helligkeit – wie der Himmel und genauso
umfassend schön.
Für ihre „kleinen Szenen“ holt sich Charlotte Seidl Anregungen aus ihrem Umfeld, ergänzt diese Wahrnehmung,
ritzt sie als neue Geschichte in die 34 x 34 Zentimeter großen Tonplatten, bemalt sie mit Oxyden, Engoben und
Glasuren und brennt sie dann bei 1160 Grad Temperatur, bevor sie auf eine Schichtholzplatte montiert werden. Je
nach Lichteinfall verändert sich der Farbeindruck und kann im direkten Sonnenlicht leuchten oder im reduzierten
Lichtschein in mythologische Bildtiefen locken. 60 Szenen sind es derzeit und es werden mehr werden – es gibt
noch so viel zu erzählen.
1948 geboren in Maria Schutz, NÖ,
seit 1972 gemeinsames Signum mit Johannes bei den Plastiken;
1972 erste Großobjekte, Klangobjekte, Brunnen
Gründung und Organisation „impuls maria schutz“
1988 Übernahme von Gut Gasteil, Gründung der Galerie“
seit 1992 Organisation von „Kunst in der Landschaft“
1993 Arbeitsreihen „7 große Frauen“,
„Wächter", „Begleiter“ begonnen
1996 Milleniumsbeitrag „Kultplatz Kapelle“, „Wartende“
1998 Beginn der Serie „Flammenfrauen“
1999 Bildserie „Zeichen“
2000 Beginn der Reihe „Wilde Mädels“
2001 Serie „Stücke“, Teppichentwürfe
2002 Beginn der Zyklen „Wasserfrauen“, „verhüllt“
„Helle Hohe“
2005/6 „7 Erdfrauen“, Bildserien „Zu Zweit“, „Allein“
2007 Reihe „Windfrauen“, „Wächterinnen“
2009 „3 Mamas“, Skulpturen „Zu Zweit“
2010 Beginn der Serie „kleine Szenen“
2011 Arbeit an der Großplastik „Thron“
Mela Kaltenegger
Rollenklischees auf dem ironischen Prüfstand
Anmutig setzt Mela Kaltenegger ihre Akteure in Szene. Junge Frauen – erotisch, lässig, selbstbewusst, gehen,
stehen, liegen, sitzen und sind Darstellerinnen in Geschichten. Mit besonderer Vorliebe: Kriminalgeschichten!
Immer wiederkehrendes Element: Rote Stöckelschuhe. Referenz an Hans Christian Andersens Märchen „Die
roten Schuhe“. Auch Tiere spielen eine Rolle in Mela Kalteneggers Bildern: Hunde, Eisbären, Robben. Als
Mitbegründerin der Künstlergruppe „Die 4 Grazien“ hat die Absolventin der Malerei- und Graphikklasse von
Gunther Damisch an der Akademie der bildenden Künste in Wien gemeinsam mit ihren Kolleginnen nicht nur
viele künstlerische, sondern auch enge freundschaftliche Gemeinsamkeiten. Die Namensgebung des Kollektivs
erfolgte neckend an der Akademie und traf den Charakter dennoch punktgenau – Frohsinn, Glanz und Blühen, die
drei Grazien der griechischen Mythologie, werden ergänzt durch die Sehnsucht, vielleicht auch die Gier...? Jede
der vier Damen vereint all das in sich und so ergänzen und befeuern sie sich gegenseitig in heiterer Gelassenheit,
in der Liebe zur koketten Überzeichnung von Geschlechtsstereotypen – männlichen wie weiblichen – und in der
Befreiung von Klischees mit Humor und Ironie und mit sichtbar großem Vergnügen. Heuer feiert man das
zehnjährige Bestehen der Gruppe.
Siebdruck, Graphik und vor allem Malerei in Eitempera sind die Techniken mit denen Mela Kaltenegger ihre
Themen umsetzt. Der schichtweise Farbauftrag öffnet oder verhüllt Andeutungen, mit dem feineren Pinsel werden
Figuren graphisch hineingesetzt, die je nach Zeitpunkt im Arbeitsprozess prominent heraustreten oder unter den
dünnen Farbschichten wie in Nebelschwaden verschwinden.
In den aktuell am Gut Gasteil gezeigten Bildern kontrastiert die kühl-blasse Winteratmosphäre den realen
Sommerbeginn. Den Hauptanteil der Werke nimmt eine von Mela Kalteneggers Krimiserien ein. Eines der
Rätselspiele mit dem Betrachter. „Täter“, „Opfer“, „Zeugen“ werden nur angedeutet, die eindeutige
Rollenzuordnung wird auch hier verweigert und aufgebrochen. Bis auf den „Kipp-Punkt“ wie Mela Kaltenegger
als einzigen konkreten Hinweis preis gibt: „Einmal wird die Wahrheit sichtbar....“ Dann ist jeder sich wieder
selbst überlassen mit schelmischen Irreführungen.
geboren in Wien
2004 Diplom Malerei und Graphik bei Prof. Gunter Damisch
Akademie der bildenden Künste, Wien
2002 Magisterium mit Auszeichnung am Institut für Wissen
schaft und Technologien in der Kunst,
Akademie der bildenden Künste, Wien
Gründung der Künstlerinnengruppe „Die 4 Grazien“
Austellungen seit 1997 gemeinsam mit den „4 Grazien“und allein
in Österreich, Deutschland und Polen.
2011 „The Excitement Continues“ - Zeitgenössische Kunst aus
der Sammlung Leopold II, Leopold Museum Wien
„Money 4 Cash“, Galerie Peithner- Lichtenfels, Wien
2010 „Lean on me, When you're not strong“, Arbeiten auf
Papier, Galerie Peithner- Lichtenfels, Wien
2009 „Salon Gier“, Galerie young.austrian.art, Wien
„Stay in shap“, Malerei und Video, Galerie am Lieglweg,
Neulengbach
2008 „Diving Graces“, Galerie Peithner-Lichtenfels, Wien
2007 „Bitchball - 4 Gracje“, Österreichisches Kulturforum,
Warschau, Polen
" „Reiseimpressionen“, Galerie Wolfrum, Wien
2006 Mela Kaltenegger Malerei, Galerie Gut Gasteil, NÖ
2004 „Junger Sommer“, Galerie Wolfgang Exner, Wien
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