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Ernst Zdrahal

Plexiglasobjekte, Mischtechniken

 GALERIE CHOBOT
 08.12.2020 - 26.02.2021

 
Soft opening am 8. Dezember 14-19 Uhr

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Ernst Zdrahal, Dolomiten

Ernst Zdrahal geb. 1944 in Wien, wo er auch lebt.

2019 hat Prof. Claus Albrecht Schröder (Direktor der Albertina) ganz begeistert die Arbeiten von Ernst Zdrahal entdeckt bzw. ihn auch bei der Eröffnungsausstellung der Albertina Modern „The Beginning“ in dem Zusammenhang mit Austrian Pop Art gezeigt.

Die Galerie Chobot stellt erstmals die frühen Plexiglasarbeiten in der Galerie von Dezember bis Feber 2021 aus.

Kristian Sotriffer beschreibt Zdrahals Arbeitsweise in einem Text aus dem Jahr 1990 sehr treffend: „Seine Arbeitstechnik ist eine plakativ-flächige, abstrahierende, durch die Zusammenhänge sowohl verdeutlicht wie auch verwandelt werden, so dass klar wird, wovon er ausgeht, welche optischen Effekte er nützt, einbaut, einer Aussage zuführt – zugleich wirken sein Tafeln und Plexiglasobjekte aber auch rätselhaft. Zwar lässt er erkennen, was der Einbruch von Industrie, Technik, dem Tourismus zu verdankende Baustrukturen in ein natürliches Landschaftsgefüge (das – so es kultiviert wurde – auch ein künstliches ist) bewirkt hat und bewirkt, aber für sich selbst löst er daraus anregende Umgestaltungen heraus, ohne ein den Künstler beschäftigendes Konfliktpotential gänzlich zu verwischen.“


Ernst Zdrahal, Schnittmuster

 
ARCHITEKTUR – LANDSCHAFT – Architekturzitate als Landschaftsstrukturierung (ein Text von Ulrike Gaisbauer) 

Ernst Zdrahals Arbeiten manifestieren eine kritische Auseinandersetzung mit einer vom Menschen strukturierten, be- und verbauten Umwelt, die nach strengen gesetzlichen Vorschriften funktionieren muss. Mittelpunkt bildet die „verkehrgeregelte“, also für den Verkehr geregelte Landschaft mit ihren beschnittenen Bergen, durchbohrten Erdböden und den in Zwingern verbannten Tieren: Mitten im Seengebiet erhebt sich die Tragfläche für den Fischer, dessen rote Angel brutal das Landschaftsbild durchschneidet – der Mörder in Erwartung seines Opfers. Der Rauch einer Lokomotive steigt in kräuselnder Bewegung zur Wolkenzone auf, um sich als farbiger Blitz wieder auf die Erde zu entladen. Ein erbärmlicher Hundekörper ist auf einer einsamen Plattform ausgesetzt, die von wackeligen Stelzen getragen wird – somit also seiner natürlichen Lebenswelt entrissen. Menschen rasen mit ihren Maschinen  gegen Bergmassive und ziehen blutige Risse (Straßen) mit ihren Gefährten.
Eine Reihe von Beispielen für Eingriffe, Durchgriffe, Vergreifungen – Ausdruck für Gewalt und Vergewaltigung.

Also rein pessimistische Bilder der Zerstörung?
Nein, dies ist nicht die Sprache des Künstlers. Ernst Zdrahal lässt bei der Konfrontation der Naturlandschaft mit der vom Menschen kreierten Architekturlandschaft keine klare Kampfsituation entstehen , sondern zeigt vielmehr in oft sehr ästhetischem Nebeneinander zwei entgegengesetzte Prinzipien und deutet die Gefahr ihrer Annäherung an. Die menschlichen Konstruktionen wirken für sich beeindruckend, oft sehr reizvoll in ihrer geometrischen, linear entfalteten Struktur – grotesk wird ihr Erscheinen erst im Zusammenhang mit einer in sich geschlossenen Landschaftsumgebung, die eine gänzlich andere Ordnung aufweist. Die übergroß ins Bild gesetzten Verkehrsschilder – Bildthemen für sich, erhalten somit vor der Landschaftskulisse doppelten Symbolcharakter: als Anweisung zum Schutz für den Menschen,  zugleich aber auch als Warnsignal der Umwelt an den Menschen, der sich hier als Betrachter massiv den bedrohenden starren Zeichen ausgesetzt sieht.

Die humorvolle, oft witzige Art der Gestaltung lässt nur stellenweise einen bitteren Unterton mitschwingen, dort, wo der Kampf bereits unwiderruflich stattgefunden hat und sich das vom Menschen geschaffene Werk als ein trauriges Werk der Zerstörung präsentiert.
Die expressive Wirkung der Arbeiten resultiert insbesondere aus dem Kontrast der völlig glatten, flächenhaft gemalten Landschaftszonen, die in ihrer Abgeschlossenheit als gegebene Grundexistenzen wahrgenommen werden, und der grafischen Gestaltung aller menschlichen Einflüsse – einem nervösen Liniengefüge, in seiner Eigenart oft sehr attraktiv, das sich bis zum aggressiven Gekritzel steigern kann.
Die zeitliche Abfolge der Bildgeschehnisse spiegelt sich im Bildaufbau und der Schichtung der Gestaltungselemente wider: Die farbige, in sich harmonische Zone wird von der messerscharfen Linie durchzogen, dabei können unauslöschbare Furchen und Risse entstehen – Spuren, die in eine Realität eingreifen, welche ihrerseits Grundvoraussetzung für jede andere Realität ist.

Der Künstler baut zugleich mit seinen Warnsignalen einen Standort für den Betrachter auf, von dem aus beide Realitäten wahrgenommen werden können und die unmittelbar bevorstehende Gefahr bedrohlich spürbar wird. Er versteht seine Bilder als experimentelle Arbeiten, die gerade durch ihre unterschiedliche technische Gestaltung (unter Verwendung sehr unterschiedlicher Mittel) und der oft nicht eindeutig formulierten Absicht eine verfremdete, beunruhigende Wirkung auf den Betrachter ausstrahlen sollen. Gerade in der Ungeklärtheit der räumlichen Situation und der Geschehnis Abläufe liegt jedoch ein Hoffnungsschimmer inmitten des globalen Zerstörungsprozesses.