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Jakob Gasteiger – Alfred Haberpointner

Zwischen Bild und Skulptur


GALERIE WALKER
 08.05 - 03.09.2017

 

Eröffnung: Sonntag, 5. Juni 2016 ab 11 Uhr
Geöffnet: Mai, Juni, Sept.: Freitag – Sonntag 14 – 18 Uhr
Juli und August: Freitag – Sonntag 11 – 18 Uhr

 



In der Sommerausstellung 2017 im Schloss Ebenau werden zwei spannende Künstlerpositionen gezeigt, in denen einstige Grenzen zwischen den Kunstrichtungen ausgelotet und überwunden werden. In einer radikal modernen Haltung, die in den Anfängen vom Minimalismus geprägt ist, verweigern die Künstler das Einbinden eigener Emotionalität zugunsten einer anonymen Handschrift, die im Material selbst ihre wahre Aufgabe findet. Das Material, ob Acrylfarbe oder Holz, ist zugleich Darstellungsmittel wie Darstellungsgegenstand. Ihre Kunst stellt Fragen nach dem, was ein Bild, eine Skulptur, eine Zeichnung sind – welche Aufgabe sie zu erfüllen haben und welche die Aufgaben des Betrachters sind – und findet sich in diesen Fragen nach sich selbst. Eine Rückkehr zu den immerfort gleichen Handlungen, in ihrer Formbeständigkeit, führt über die Veränderungen in den Individuen selbst zu einem postmodern anmutenden Variantenreichtum im Werk beider Künstler. Der Entstehungsprozess, ob im Furchen von Acrylmasse durch Rakeln, oder Aufhacken einer Holzplatte durch eine Axt, bleibt als sinnlich fühlbare Verankerung in der Zeit bestehen. Das Schloss Ebenau mit seinen in sich geschlossenen Raumsituationen, die jeweils ein anderes Ambiente auszeichnet, lässt zu, dass die Werke der beiden Künstler entweder ganz für sich wirken oder, wenn man das möchte, durch fein abgestimmte visuelle Übergänge in eine spannende Zusammenschau treten.

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Jakob Gasteiger, Acryl auf MDF, 14.1.16, Durchmesser 80 cm,(c) Jakob Gasteiger

Im Rahmen der Ausstellung im Schloss gelangt nun zeitgleich ein Projekt zur Umsetzung, das schon längere Zeit in Vorbereitung ist: Im Kunstraum Walker in Klagenfurt werden fünf Skulpturen und ein Gemälde von Jakob Gasteiger zu sehen sein; ebenso ein Wandobjekt von Alfred Haberpointner. Bei den Objekten von Gasteiger handelt es sich um Aluminiumskulpturen, die auf Paletten präsentiert werden. Durch den Blick in das “Schaufenster“ des Kunstraums wird so ein Querverweis lesbar, der zu dem führt, was in konzentrierter Form im Schloss Ebenau zu sehen ist.

Jakob Gasteiger (geb. 1953 in Salzburg) studierte 1970-1974 Bühnenbild an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Salzburg und besuchte ab 1976 in Wien die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. 1990 erhält er den Faistauer Preis für Malerei. In den 1980er Jahren beginnt er eine künstlerische Richtung einzuschlagen, die zu den „Neuen Wilden“ einen Gegenpol darstellt und sich an der Radikalen Malerei orientiert. Dabei geht es um die Thematisierung von Malprozess und Malerei ohne jeden ikonographischen Anspruch, in einer non-narrativen Form, ohne Ausdruck der eigenen Befindlichkeit. Mit gezahnten Rakeln aus Kartonstreifen wird die zumeist monochrome Acrylmasse auf der Leinwand durchzogen, wodurch Grate und Furchen entstehen, die durch das einfallende Licht den Charakter einer Zeichnung, aber auch eines Reliefs erhalten. Diese Formsprache behält der Künstler in einer aus sich selbst schöpfenden Monotonie über 15 Jahre bei. Die Furchen sind zumeist horizontal und vertikal gezogen, auch in Kombination, manchmal in Schwüngen und Bögen. Die monochrome Bildfläche wird durch die Vermengung der gefurchten Farbe mit der noch nassen, andersfärbigen Grundierung aufgebrochen; in den letzten Jahren werden einzelne Farben in einem Bild nebeneinander gesetzt.

Der Künstler verwendet Lack auf seinen Bildern, um ein nüchtern-reduziertes Liniengeflecht zu erzeugen. Parallel dazu schafft er Papierarbeiten aus Kohlepapieren, die großflächig, als Installationen, auf die Wand geklebt werden. Ab dem Jahr 2000 entstehen Skulpturen aus gegossenem Aluminium. Diese zeichnen sich durch ihre Einzigartigkeit aus – in Sekundenschnelle wird das Aluminium gegossen und erzeugt eine einmalige, unwiederholbare Form. Diese Arbeitsweise, die den Zufall verstärkt als formgebend einbindet, bildet einen Gegensatz zum Ziehen der Farbe mit der Rakel und dem damit verbundenen längeren, konzentrierten Prozess. In den letzten Jahren vermischt der Künstler die Acrylmasse mit Glassplittern, Kupfer oder Aluminium, wodurch die Bilder glitzern; so, als würde ihrem choralartigen Farb- und Formklang eine neue Stimme hinzugefügt.

Bis zum 26. Februar 2017 ist eine Einzelausstellung von Jakob Gasteiger in der Residenz des Salzburg Museums zu sehen – einige Werke daraus werden im Anschluss in Ebenau gezeigt.

Alfred Haberpointner (geb. 1966 in Ebenau bei Salzburg) besuchte von 1980-1984 die Fachschule für Bildhauerei in Hallein und anschließend die Hochschule für Gestaltung in Linz. 1997 erhält er den Theodor-Körner-Preis. Für seine künstlerische Ausdrucksform wählt er neben dem Werkstoff Holz, der ihn hauptsächlich beschäftigt, auch Bronze und Metall. Auf eine modernistische Weise versteht es der Künstler, jene Quellen in sich anzusprechen, die traditionslos, nicht-anekdotisch und nicht-historisch sind, um zu einer innovativen, abstrakten und auf sich selbst bezogenen Lösung zu gelangen. Sein Interesse gilt minimalistischen Künstlern und Kunstwerken, wobei er sich in seinen unterschiedlich bearbeiteten Kopfformen (teilweise ein- und zerschnitten, mit grober oder feiner Struktur überzogen, mit Nägeln beschlagen) einem Thema zuwendet, das berührt. Gerade in der konzentrierten Bearbeitung der Kopfformen, gleichmütig gegenüber ihrer Konnotation, zieht der Künstler die Bedeutungsschwere des Objektes hin zu einer haptisch ansprechenden, in frischer Anonymität sich wiederholenden abstrakten Form. Seine Wandobjekte, an der Grenze zwischen Bild und Skulptur angesiedelt, nennt er selbst „Zentrierungen“ oder „gehackte Objekte“, wobei es hier durch den zusätzlichen Farbauftrag und den zentral zusammenlaufenden Hackspuren zu einer räumlichen Illusion von Tiefe oder Höhung kommt.

Vom 21.05 bis 01.10. 2017 sind Skulpturen von Alfred Haberpointner in der diesjährigen Ausstellung der „Blickachsen 11“ in Bad Homburg zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Liaunig gestaltet wird.

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Alfred Haberpointner, W-TTIX, 2016, 100 x 123 x 15 cm, gebeiztes Fichtenholz, (c) Alfred Haberpointner