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Rudi Stanzel

OUT OF THE GREY
LEIBNIZ / NEWTON / REFORMEL

Galerie Ulysses
 23.03. - 28.04.2018

Ausstellungseröffnung : Donnerstag, 22. März 2018 um 19.00 Uhr

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© Foto: Roland Krauss

Rudi Stanzel hat am 22. März 2018 sechzigsten Geburtstag - dieses Datum ist, bewusst oder nicht, eine Zäsur.

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© Foto: Roland Krauss

Out of the Grey: Es überrascht, wenn jemand wie Rudi Stanzel, der 35 Jahre lang sein künstlerisches Vokabular auf Linie, Rechteck, Schwarz, Weiß und Grau reduzierte, plötzlich mit Farbe arbeitet. Doch wer sein Werk genauer kennt, weiß, dass er auch bisher, wenngleich spärlich, Farbe eingesetzt hat: ganz früh, 1989, als er im Rahmen der Ausstellung „Unbegrenzte Freyung“ die Farben der Deckenfresken des Barockpalais Harrach aufgriff und statt Brokattapeten rosa-farbenes und hellblaues Wettex an den Wänden installierte. In der Werkserie Reflektivität (Ulysses, 2013) trug er Hologrammglitter auf farbigen Acrylhintergrund auf. Und zuletzt verwendete er farbige Ketten für Installationen in der Sala Terrena und im Stiegenaufgang im Oberen Belvedere, letztere war bis vor kurzem noch zu sehen. Die violetten Kettenteile formten die vergrößerte Handschrift des Mathematikers Gottfried Wilhelm Leibniz, mit dem er sich im Zuge seiner mathematischen Studien auseinandersetzte.

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© Foto: Roland Krauss

Schrift, die hier so stark vergrößert war, dass sie nur mehr als abstrakte Form erkennbar war, zieht sich durch Rudi Stanzels Schaffen – allerdings nicht, um Inhalte zu vermitteln, sondern als abstrakte Kürzel, als Spuren des Kollektiven Unbewussten, als Textur im Sinne einer Oberflächengestaltung, nicht als lesbarer Text.

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© Foto: Roland Krauss

Schrift liegt auch dem aktuellen Malzyklus zugrunde, sie ähnelt der Hintergrund-strahlung im Universum, die ständig da und messbar – und seit den 1950er, 60er Jahren erwiesen ist.
Rudi Stanzels intensive Beschäftigung mit Wissenschaft, Philosophie und Mathematik, besonders dem mathematischen Verständnis von Unendlichkeit, spiegelt sich auch in den aktuellen Arbeiten wider. Sie werden als Spuren kultureller Errungenschaften zum Malgrund, und zwar in jedem Sinn dieses Wortes: Anlass, Anregung, malerischer, ebenso wie kultur- und wissenschaftshistorischer, zivilisatorischer Hintergrund.

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© Foto: Roland Krauss

Für den aktuellen Zyklus hat Rudi Stanzel Schwarz-Weiß-Laserdrucke von Handschriften der beiden konkurrierenden Wissenschaftler Leibniz und Isaac Newton angefertigt, die sich bis zu ihrem Tod bekriegten, wer die Urheberschaft von „Integral“ und „Differenzial“, wie es Leibniz, und „Fluxions“, wie es Newton nannte, für sich beanspruchen dürfte.

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© Foto: Roland Krauss

Bei Stanzel bilden nun die beiden Wissenschaftler bzw. ihre Handschriften einträchtig nebeneinander Hintergrund seiner Malerei.
Außerdem verwendet er als Maluntergrund Filmstills aus dem Experimentalfilm „Reformel“, den der Filmemacher Arash T. Riahi im Jahr 2000 mit und über Stanzels Arbeiten gemacht hat. Das heißt: die eigene künstlerische Geschichte  rückt in den Hintergrund und wird Hintergrund.
Bisher reichten ihm Schwarz, Weiß und die Grautöne dazwischen, um die Welt auf eine, seine, Art zu analysieren: nicht als Nacherzählung der Wirklichkeit, sondern als poetisch-abstrakte Neuformulierung des Unfassbaren. 

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© Foto: Roland Krauss

Die malerische Verwendung von Farbe – violett, lila, türkis, blau, dunkles rot – ist mit und vor seinem künstlerischen Background Neuland, das er nun, nach 35 Jahren im schwarz-weißen Universum, mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit für sich erobert.

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© Foto: Roland Krauss

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© Foto: Roland Krauss