Ausstellungsliste nach Galerien
 Ausstellungsliste nach Künstlern

Monika Piorkowska

liquid democracy

GALERIE STEINEK
 26.04. - 03.06.2017

 

Vernissage: am Dienstag, den 25. April 2017, um 19:00 Uhr

 

bild
Virus, Time Gate, double sided transparent and movable light object, 200 x 100 x 6 cm
Foto Monika Piorkowska

In der Galerie Steinek arrangiert Monika Piorkowska zahlreiche weiße Seifen zu einer Installation, die wellenförmig in den Raum hineinragt. Jede Seife ist mit „liquid democracy“ bedruckt. Beim Waschen würde sich die Schrift nach und nach auflösen. So langsam, respektive so schnell wie sich momentan die westlichen Werte verflüssigen. Unsere Demokratie ist bedroht!
Errungenschaften der Aufklärung wie die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst wurden unlängst mit Füßen getreten. Die Absage der Ausstellung „Time Gates“ von Monika Piorkowska im Polnischen Institut in Wien war ein Affront, der nicht nur als Angriff auf die Künstlerin und die Gegenwartskunst verstanden werden muss, sondern darüber hinaus unsere Gesellschaft und ihre, in der Verfassung verankerten Grundrechte attackiert.
Wie tolerant sollen wir damit umgehen? Und wie aktiv schützen wir lang erkämpfte Rechte? Keiner der österreichischen Politiker aus den Regierungsparteien hat sich öffentlich zu Wort gemeldet. Diese implizite Solidarisierung mit dem Aggressor und das stumme Waschen der Hände in Unschuld hat nicht nur, wenn man der ästhetischen Argumentation des Kunstwerks folgt, demokratische Liquidisierung, sondern Liquidierung zur Folge.

Piorkowska, 1977 in Krakau geboren, will mit ihrem Werk zum Verständnis einer komplexen Realität und der Bewusstmachung multiperspektivischer Weltansichten beitragen. Sie artikuliert Skepsis am aktuellen Status quo der Demokratie und problematisiert postfaktische Gefahrenherde und rechtspopulistisches Denken. Ihre Kunst kann wahrscheinlich keinen Ausweg aus häufig eingeschliffenen und perspektivlosen Verhältnissen zeigen, doch kann sie wie in der fotografischen Serie „Time Gates“ Minderheiten, Armen und Enteigneten in einer durch die Globalisierung auf den Kopf gestellten Welt eine symbolische Stimme schenken, Aufmerksamkeit herstellen und möglicherweise eine Brücke zwischen unterschiedlichen Lebensentwürfen bauen. In diesen großformatigen Leuchtkästen hebt die Künstlerin sensibel und einfühlsam das Drama des Alltäglichen im buchstäblichen Sinne des Wortes ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung.

Für die Schau „liquid democracy“ produziert Piorkowska, die seit 2003 in Wien lebt und arbeitet, zudem ein Video, das über youtube abgerufen werden kann: Eine Kamera dokumentiert, wie die Künstlerin einzelne Seifen mit der Aufschrift „liquid democracy“ verpackt, in ein Kuvert steckt und an unterschiedliche Politiker wie Jaroslaw Kaczynski versendet. Selten sind die politischen Feindbilder für Künstler und Intellektuelle so eindeutig gewesen wie heute, da rechtspopulistische Parteien und ihre globalen Vertreter wie Kaczynski, Le Pen, Orban, Strache, Trump (alphabetische Reihung) die Weltordnung bedrohen. Gewählt wurden sie in demokratischen, neoliberalen Staaten, die seit Jahrzehnten einen massiven Sozialabbau betreiben, in denen große Ungerechtigkeiten herrschen und in denen Menschen enttäuscht sind. Nun rebellieren sie gegen das Establishment und ihre politischen Vertreter. „Liquid democracy“ stellt viele Fragen: Warum geht der Widerstand nach rechts? Wo ist die Organisation des linken Protestes geblieben? Wann werden endlich radikale Maßnahmen zur Veränderung eines Systems getroffen, das die Welt in zwei Klassen teilt? Wie konnte es insbesondere nach den Erfahrungen der 1930er/40er Jahre wieder so weit kommen?

Kuratiert von Angela Stief