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Wie banal ist das Böse?

curated by_ Katarzyna Uszynska

Galerie Ernst Hilger
 14.09. - 13.10.2018


Vernissage: am Donnerstag, dem 13. September 2018, um 18:00 Uhr
Im Rahmen von curated by_ viennaline

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Sigalit Landau, Salted Lake, 2011, Video

Mit Werken von: Tania Bruguera, Maria Bussmann, Alfred Hrdlicka, Alena Kotzmannova, Sigalit Landau, Mikolaj Malek

In ihrem berühmten Buch -Über die Banalität des Bösen- analysiert Hannah Arendt das Böse nicht mehr nur als Teil einer Ideologie, Weltanschauung oder eines Systems, sondern als alltägliches Phänomen, das in jedem Mitmenschen, in einem selbst - als mangelnde Bereitschaft, die Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen, wirksam werden kann. In ihren sensiblen Zeichnungen, die als Gedankenbilder und Assoziationen zu den Texten von Hannah Arendt zu lesen sind, schafft Maria Bussmann offene Kommentare auf die philosophischen Schriften der Autorin. Auch Mikolaj Maleks Gouachen wurden von Arendts Schriften inspiriert. Indem er ihre Texte seinen Gouachen einverleibt, entzieht er sie ihrem ursprünglichen Kontext und unterstreicht die Kontinuität des Bösen, -der finsteren Zeiten- und die Unvermeidlichkeit der Wiederkehr der Geschichte.

Alfred Hrdlickas Werk kann als fortwährendes Plädoyer gegen eine Welt bürgerlicher Kälte und bürokratischer Menschenverachtung, als eine fortwährende Anklage einer Gesellschaft, die das Mitgefühl als das Überflüssige und Menschlichkeit als Ineffizienz denunziert. In der Ausstellung wird seine Skulptur -Der Schreibtischtäter-, die Eichmanns Welt als Ausgeburt bürgerlicher Kälte entlarvt, die anstelle von Menschlichkeit und Mitgefühl ideologische Härte und organisatorische Effizienz stellt. Seine Radierungen zur Topographie des Terrors ergänzen Hrdlickas flammendes Plädoyer gegen Faschismus, Krieg und Gewalt, falsches Heldentum, Konformität und Opportunismus.

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Tania Bruguera, Tatlins Flüstern Nr. 6, 2015, Video
Die kubanische Künstlerin Tania Bruguera sah in ihrer Kunst von Anfang an ein Medium politischer Kritik und Veränderung. So liest sie Zuhause in einem Lehnstuhl sitzend laut aus Hanna Arendt Buch -Die Wurzeln des Totalitarismus- in ein Mikrophon. Der Text wird von Geräuschen einer Bar und Konstruktions- bzw. -Dekonstruktionslärm- von der Straße her überlagert. Ihr Vortrag wird so zum Symbol des Kampfes um die Freiheit des Denkens und Wortes und die damit verbundene Reaktion totalitärer Systeme. Der Performance ging ihre Arbeit -Tatlins Flüstern No. 6-, auf Havannas Platz der Revolution voraus, in der sie Menschen einlud über ein Mikrophon ihre politische Meinung zu äußern und ihr Recht auf Kritik einzufordern, eine Aktion, die mit ihrer Verhaftung und nachfolgendem Hausarrest endete.
Die tschechische Fotografin Alena Kotzmannova spürt der scheinbaren Normalität des Bösen nach, indem sie Bilder des vormaligen Büros des Leiter des Reichssicherheitshauptamts und Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrichs im Prager Rudolfinum präsentiert, der für grauenhafte Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und des Holocausts verantwortlich war. Jedoch als begeisterter Verehrer klassischer Musik und nahm sein Büro im Rudolfinum, um jederzeit Proben und Aufführungen des Orchesters besuchen zu können. (Katarzyna Uszynska)