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Andreas Leikauf

Friendly People
GALERIE GÖLLES
 29.06. - 30.08.2018

 

Vernissage: am Samstag, dem 30. Juni 2018, 18:00 Uhr
Zur Eröffnung spricht Günther Holler-Schuster, Universalmuseum Joanneum Graz

 
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Andreas Leikauf, Friendly People, 2018, Acryl auf Molino, 140 x 200 cm, Foto: Marie Jecel

Die Bilder von Andreas Leikauf wirken schrill, vom Zeitgeist erfasst und einer allgemeinen medialen visuellen Öffentlichkeit entsprungen. Genauso wie die Slogans, die in den Bildern immer wieder für narrative Inhalte sorgen, sind auch Leikaufs Bilder selbst in ihrer visuellen Kraft sloganhaft, schnell erfassbar, diversen Klischees selten ausweichend und plakativ. Wie in farbiges Licht getaucht wirken die Szenarios, die der Künstler aufbaut – das Leben als kontinuierlicher Film. Die Protagonisten und Protagonistinnen erscheinen dabei in ihrer Klischeehaftigkeit nicht überbietbar zu sein. Sie sind Zeugen einer medialen Wirklichkeit, die sich aus Gegenidyllen, künstlichen Paradiesen und anonymen Orten der Einsamkeit nicht mehr befreien können – es vielleicht gar nicht wollen. Sie sitzen in ihren Autos, sind mit ihren Frisuren beschäftigt, schauen das Publikum fragend an oder richten den Blick bedeutungsvoll und nachdenklich in die Ferne.

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Andreas Leikauf, Fragmented memories, 2018, Acryl auf Molino, 200 x 140 cm

Die Diskussion um die Pop Art, nicht die Pop Art selbst, hat diese Werke möglich gemacht. Der dichte Fundus an visuellen Formulierungen aus Film, Pop Musik, Mode und Life Style bestimmen grundsätzlich längst den Alltag. Das Visuelle wird dabei zum Inhalt, wird gleichsam zum alles bestimmenden Element der mediatisierten Welt. Codes etablieren sich und lösen sich im nächsten Moment wieder auf, lassen die Protagonisten scheinbar ratlos zurück. Moden entwickeln sich dabei zu schnelllebigen Prozessen, denen die jeweilige visuelle Formulierung kaum noch folgen kann. Man scheint in Leikaufs Bildern immer einen Schritt hinterher zu sein, der Entwicklung der Zeit kaum Stand halten zu können – es möglicherweise gar nicht zu wollen. So geschieht unvermittelt eine gewisse Identifikation des Publikums mit den Dargestellten. Man scheint sich mit der Coolness der Szenerie genauso zu identifizieren, wie mit der letztendlichen Ausweglosigkeit derselben.

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Andreas Leikauf, It happened again, 2018, Acryl auf Molino, 140 x 100 cm

Slogans und Wortspiele sind von jeher ein zentraler Aspekt in den Gemälden von Andreas Leikauf. Wie beiläufig ins Bild gesetzt wirken diese plakativen Aussagen oft verstörend, meist jedoch schließen sie sich mit dem Bild zusammen zu einem Narrativ. Ob sie sich auf T-Shirts, Mauern, Autos, Plakatwänden, oder einfach frei vor einem indifferenten Hintergrund ergeben, ist sekundär. Meist werden sie als Aussagen oder Gedanken – den Sprechblasen von Comics nicht unähnlich – einzelnen Dargestellten zugeordnet. Oft beschreiben sie aber nur ein Gefühl, das der Szenerie eine inhaltliche Richtung zu geben scheint.

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Andreas Leikauf, I wasn´t invited, 2017, Acryl auf Molino, 100 x 140 cm

Das Wortspiel kann grundsätzlich als eine Art Weigerung, sich einer sprachlichen Ordnung zu unterwerfen, angesehen werden. Das sprachliche System wird dabei listig ausgenutzt und gleichsam geplündert. Wortspiele beziehen parallele Prozesse ein und haben die Fähigkeit simultan verschiedene Informationsflüsse zu verarbeiten. Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass Wortspiele in der kommerziellen Kultur – Werbung, Pop Songs, Slogans – weit verbreitet sind. Sie komprimieren eine Vielfalt von Bedeutungen auf engem Raum.
In Andreas Leikaufs Bildern wird genau damit kalkuliert, wenn die Bedeutungen der Worte aus der Kontrolle geraten und neue Codes definieren. Nicht selten ergeben sich daraus kritische, das gesellschaftliche Leben allgemein betreffende Kommentare. Sie verkörpern letztlich die Spannung zwischen dem Richtigen und dem Spielerischen, wobei das Spielerische immer das Potential hat undiszipliniert, skandalös und offensiv zu sein. Offensiv ist auch die Malweise von Andreas Leikauf, exzessiv und mit groben Pinselstrichen und in leuchtenden Farben scheint sie den Gesetzmäßigkeiten der Populärkultur zu folgen. Das Element der Überaffirmation lässt jedoch den Eindruck des Zweifels im Betrachter zurück. Die Unentrinnbarkeit aus dem medialen Kosmos wird dabei zwar unterstrichen, jedoch nicht als kulturpessimistische Ausweglosigkeit dargestellt.

Günther Holler-Schuster 

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Andreas Leikauf, Wrong Way, 2018, Acryl auf Molino, 40 x 30 cm