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Brigitte Kowanz

fyi

 ARTELIER CONTEMPORARY
 14.05. - 09.07.2021


   
Die Ausstellung wird im Zuge des Programmes der aktuellen Kunst in Graz 2021
am Wochenende vom 14.-16. Mai geöffnet


Auf Grund der immer noch pandemischen Corona-Massnahmen, (sehr reduzierte Besucherzahl, Abstand, Mundschutz, Desinfektion) wird die Künstlerin in einem Gespräch mit Frau Dr. Christa Steinle virtuell dabei sein.

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BRIGITTE KOWANZ fyi

Licht, Raum, Schrift, Sprache und Codes sind zentrale Motive, die Brigitte Kowanz kontinuierlich in ihrer Arbeit untersucht. Die Ausstellung ‚fyi‘ bei Artelier Contemporary in Graz verdichtet neueste Werkgruppen innerhalb dieser stetigen Erkundung von Licht als Medium von Information, Kommunikation und Erkenntnis. Die Auseinandersetzung mit physikalischen Eigenschaften und der medialen, stofflichen Qualitäten des Lichtes beschäftigt Kowanz seit geraumer Zeit. Hinzu kommt die stetige Untersuchung räumlicher Konstitutionen.

Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist Sprache im Kontext der vernetzten, beschleunigten, digitalisierten Gegenwart. Innerhalb dieser vernetzten Gesellschaft werden in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit ständig Daten und Information übertragen – als Codes via Lichtgeschwindigkeit. Diese beschleunigte Realität der Medien, die Omnipräsenz von Austausch, Öffentlichkeit und Sichtbarkeit, schreibt sich dabei tief in die übertragenen Botschaften ein: die Beschleunigung des Lebens führt zur Verkürzung der Sprache. Kowanz‘ neue Werkserie Acronyms (2020-2021) thematisiert diese Aspekte. Standardisierte, codierte digitale Akronyme wie ‚omg‘ (oh my god) ‚asap‘ (as soon as possible) oder ‚irl‘ (in real life) treffen dabei auf die individuelle, persönliche Handschrift der Künstlerin, der die Neonlinien folgen. In ihrer Gesamtheit spannen die ausgestellten Akronyme ein Netzwerk digitaler Poesie.

Die Arbeiten hüllen den gesamten Ausstellungsraum so in einen zarten Schein. Atmosphärische Leichtigkeit und Ruhe führen Rezipient*innen in kontemplative Denkräume. Diese beschränken sich jedoch nicht ausschließlich auf den realen Raum. Bei den Wandobjekten aus Neon und Spiegeln wie ‚cus‘ oder idk idc‘ erzeugt Kowanz unendliche, virtuelle Lichträume. Betrachter*innen betreten diese virtuellen Räume, während sich ihr Körper im realen Raum befindet. In diesen virtuellen Denkräumen werden sie nicht nur mit der sprachlichen Botschaft der Künstlerin, sondern auch mit deren eigenen Spiegelbild konfrontiert.

Hinzu kommen mit ‚omg‘ und ‚omw‘ zwei Arbeiten der Werkserie ‚Reflections‘ bei der Kowanz Licht durch eine andere Methodik erfahrbar werden lässt. Bei den auf den ersten Blick monochrom wirkendenden, grauen Flächen handelt es sich um reflektierende Oberflächen, die die Künstlerin in einem komplexen Verfahren so bearbeitet, dass sich der Brechungswinkel des Lichtes auf der Oberfläche verändert. Je nach Standpunkt der Betrachter*in, beziehungsweise dem Verhältnis von Rezipient*in, Arbeit und Raum, wird Licht und darin verschlüsselte Nachrichten sichtbar. Licht macht alles sichtbar, bleibt dabei jedoch meist unsichtbar. Licht ist Leben, Wahrnehmung und Sehen. Licht ist in seiner langen Tradition auch immer Erkenntnis und das verdeutlichen die Arbeiten dieser Ausstellung.

Auf den spezifischen Ort und den Kontext von Artelier Contemporary reagiert die Künstlerin mit einer subtilen Geste. Auf der sich zentral im Raum befindlichen Säule installiert sie ein Multiple aus dem Jahr 1994, das aus drei Verteilersteckdosen besteht, die miteinander durch Kabel verbunden sind und die Buchstaben www eingeschrieben haben. Auch hierbei handelt es sich um ein Akronym, das nicht nur den Themenkomplex der Ausstellung kontextualisiert, sondern nicht zuletzt auch ein Zeugnis dafür ist, wie intensiv Brigitte Kowanz‘ Auseinandersetzung mit Licht als physikalisches Phänomen und technologische Grundlage ist.